Freitag, 14. Juni 2019

Unfallkommission: Mehr Sicherheit auf Häfler Straßen

Unaufmerksamkeit, zu hohe Geschwindigkeit, fehlender Überblick – jedes Jahr kommt es auf den Straßen in Friedrichshafen zu Verkehrsunfällen. Dort, wo sich Unfälle häufen, nimmt die Unfallkommission mit Vertretern des Amtes für Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung, des Stadtbauamtes, der Polizei, des Regierungspräsidiums und des Straßenbauamtes des Landratsamtes die Stellen unter die Lupe.

„Es ist erfreulich, dass sich die Zahl der Unfallhäufigkeitsstellen weiter verringert hat“, so Hans-Jörg Schraitle, Leiter des Amtes für Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung. Im Vergleich zu 2017, als es noch 13 Unfallhäufigkeitsstellen waren, verringerte sich die Zahl in 2018 auf 11 Stellen. Dabei sind fünf Örtlichkeiten neu hinzugekommen, sieben Örtlichkeiten sind weggefallen. Ziel der Prüfung der Unfallpunkte durch die Kommission ist es, die Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer zu verbessern. Um dies festzustellen, erfasst und wertet die Polizei die Verkehrsunfälle aus. Einberufen wird die Unfallkommission einmal pro Jahr vom Amt für Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung als zuständiger Straßenverkehrsbehörde.

In der Sitzung der Kommission analysieren die Fachleute gemeinsam anhand der Unfalldaten, Ursache und Hergang der Unfälle, prüfen die Situation und beraten, ob durch straßenbautechnische und/oder verkehrsrechtliche Maßnahmen der Unfallschwerpunkt entschärft werden kann. Die Unfallschwerpunkte werden benannt, die Lage vor Ort unter die Lupe genommen und Vorschläge zur Verbesserung der Situation gemacht.

Die beschlossenen Maßnahmen werden mit hoher Priorität von der Verkehrsabteilung des Amtes für Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung und den jeweiligen Straßenbaubehörden umgesetzt, da sie dazu beitragen können, weitere gleiche Unfälle zu verhindern. Und der Erfolg liegt auf der Hand: Aufgrund der schnellen Umsetzung der Maßnahmen konnten die Unfallschwerpunkte seit der letzten Sitzung im Jahr 2018 weiter reduziert werden.

„Dieser Erfolg ist auf die kontinuierliche Begleitung und Umsetzung von Verbesserungen sowie die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten zurückzuführen. Wir arbeiten daran, die Bedingungen so zu gestalten, dass die Unfallzahlen weiter zurückgehen“, dank Hans-Jörg Schraitle, Leiter des Amtes für Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung, den Mitgliedern der Unfallkommission. Seit 2018 hat sich die Zahl der Unfallschwerpunkte in Friedrichshafen auf elf Örtlichkeiten reduziert. Zwar entwickelten sich die Unfallzahlen mit der Beteiligung von Radfahrern entgegen dem stark steigenden Landestrend in Friedrichshafen auf konstantem Niveau, trotzdem gilt es auch weiterhin ein verstärktes Augenmerk auf diese Thematik zu legen.

Folgende Unfallhäufigkeitsstellen entfielen im Jahr 2018:
Ailinger Straße /Charlottenstraße: Dort wurden hauptsächlich Auffahrunfälle von der Polizei aufgenommen, zu denen es aus unterschiedlichen Gründen kam. Mit Blick darauf, dass dieses Areal überplant wird, sieht die Kommission keinen weiteren Handlungsbedarf.

Zeppelinstraße / Haltestelle Strandbad: Hier wurde 2018 kein Unfall registriert. Dies kann darauf zurückgeführt werden, dass durch Blinklichter die Erkennbarkeit der Zebrastreifens nochmals verbessert wurde. Die Kommission wird die Situation weiter beobachten, ob es durch die Maßnahme dauerhaft bei der Verbesserung bleibt.

Kreisel Äußere Ailinger Straße / Kornblumenstraße: 2019 soll der Kreisverkehr umgebaut werden. Außerdem soll der Einfahrtsast aus Richtung Graf-von-Soden-Platz begradigt werden. Dadurch wird die Verkehrssicherheit verbessert, so dass keine weiteren Maßnahmen vorgesehen sind.

Messestraße/Rheinstraße: In diesem Bereich wurden nur dann Unfälle registriert, wenn die Ampel ausgeschaltet war. Es wird deshalb die Ampel auf 24-Stunden-Betrieb umgestellt. So können auch die Autorennen auf dieser Strecke minimiert werden. Die Ampelanlage wurde bereits umgestellt.

Kreisel Ehlersstraße/Goethestraße: 2018 nahm die Polizei in diesem Bereich keine Unfälle auf. Die Kommission wird weiter beobachten, ob dies so bleibt oder ob dies nur mit der Baumaßnahme und damit verbunden mit dem geringeren Verkehrsaufkommen zusammenhängt.

Kreuzung Ailinger Straße/Keplerstraße/Ehlersstraße: 2018 wurden hier speziell die Unfälle im Bereich der Tankstelle ausgewertet. Die Unfälle ereigneten sich vor allem beim Aus- und Einfahren in die Tankstelle. Durch den Umbau der Kreuzung und die neue Regelung, dass das Linksabbiegen aus der Tankstelle in die Ailinger Straße verboten ist, konnte hier das Unfallrisiko verringert werden und der Bereich gilt nicht länger als Unfallschwerpunkt.

Kreisel Riedleparkstraße/Charlottenstraße/Eugenstraße: Hier gab es in 2018 einen Radfahrunfall. Bei dem sehr belebten Kreisverkehr wurde von der Kommission geprüft, inwiefern es Schwierigkeiten mit dem Schattenwurf oder dem Sonnenstand gibt. Eine eindeutige Ursache für den Radfahrunfall konnte nicht ermittelt werden. Die Kommission will dennoch die Örtlichkeit weiter untersuchen und gegebenenfalls mit weiteren Maßnahmen entschärfen.

B 30/Löwenunterführung/Kreuzung: Die Kreuzung wurde von den Vertretern der Unfallkommission begutachtet. Dabei wurde festgestellt, dass insbesondere die Führung des Radverkehrs sehr kompliziert und für ortsunkundige Radfahrer an manchen Stellen unverständlich ist. Zudem spielt das hohe Verkehrsaufkommen ebenfalls eine Rolle. Die Mitglieder sind sich einig, dass in diesem Bereich die Radverkehrsplanung grundlegend überarbeitet werden muss. Durch die Entflechtung des Verkehrs mit drei Kreisverkehren (Löwenkreuzung, Montfortstraße/Eckenerstraße und Eckenerstraße, Paulinenstraße) könnte die Verkehrsführung für die Radfahrer vereinfacht werden. Verkehrliche Maßnahmen sollen im Rahmen des Entwurfs zum Verkehrsentwicklungsplan diskutiert werden. Zudem soll die Bahnbrücke über die Löwenunterführung zurückgebaut werden, so dass mehr Lichteinfall möglich ist, was zu einer besseren Beleuchtung und gegebenenfalls zur Reduzierung von Unfällen beitragen könnte. Diese Maßnahme ist derzeit noch abhängig von Verhandlungen mit der Deutschen Bahn. Für mehr Sicherung wurden in der Montfortstraße Verkehrszeichen (vorgeschriebene Fahrtrichtung geradeaus, Linienverkehr frei und oberhalb der Ampel rechtsweisend) aufgestellt. Als Erfolg aus dieser Maßnahme sieht die Polizei den Umstand, dass seither keine Unfälle mehr zwischen Rechtsabbiegern und geradeausfahrenden Radfahrern passiert sind. Auch dieser Bereich gilt nicht länger als Unfallschwerpunkt.

Ailinger Straße/Bismarckstraße: Auch hier konnten 2018 keine Auffälligkeiten beobachtet werden. Die Verbesserung der Situation steht im direkten Zusammenhang mit den Maßnahmen in Löwenkreuzung.

Maybachplatz/Radunterführung: Hier wurden zahlreiche Unfälle aufgenommen, die im Bereich der Unterführung passiert sind. Gründe dafür sieht die Kommission in den komplexen Verkehrsbeziehungen. Um hier eine Verbesserung der Unfallsituation zu erreichen, sollen Bodenmarkierungen zur Verdeutlichung der Verkehrsführung sowie eine zusätzliche Beschilderung angebracht werden. Nach der Umsetzung der Maßnahmen gilt auch dieser Bereich nicht mehr als Unfallschwerpunkt.

Ailinger Straße/Ekkehardstraße: Im Februar 2018 wurde in diesem Bereich der letzte Unfall aufgenommen. Grund hierfür ist die Verdeutlichung der Beschilderung am Fußgängerüberweg.

Albrechtstraße/Glärnischstraße: Hier verunglückten überwiegend Radfahrer. Im Kreuzungsbereich besteht eine lange Radfurt und bedingt durch das Gefälle, fahren die Radfahrer an dieser Stelle sehr schnell. Fahrzeugführer, die aus der Albrechtstraße nach links in die Glärnischstraße abbiegen, können bei Stau durch sichtbehindernde Fahrzeuge Radfahrer nicht rechtzeitig erkennen. Zudem besteht aufgrund der vielen Einmündungsmöglichkeiten eine zusätzliche Ablenkung für Fahrzeugführer. Durch bauliche Maßnahmen im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Kreuzungsbereiches im Rahmen der B 31 neu kann hier eine Verbesserung erreicht werden.  Als kurzfristige Maßnahme wird die Ampelschaltung angepasst, um den Kreuzungsbereich bei Staus freizuhalten.

Kreisverkehr Ehlersstraße/Mühlöschstraße/ Flugplatzstraße: Alle registrierten Unfälle passierten in Richtung Ehlersstraße. Es kam vor allem dann zu Unfällen,  wenn Personen den Fußgängerüberweg querten oder mit querenden Radfahrern. Um die Situation weiter beleuchten zu können, sollen weitere Prüfungen vor Ort stattfinden.

Bei der Prüfung der Unfallpunkte ergab sich, dass neue Unfallhäufigkeitsstellen hinzukamen:

Kreisverkehr Ravensburger Straße/Am Flughafen (Seewald): Hier wurden 2018 sechs Unfälle registriert. Auffällig sind die Unfälle mit Kleinkrafträdern sowie die Konzentration der Unfälle auf den westlichen Aus- und Einfahrtsast. Dies ist ein Indiz dafür, dass die Sicht für aus Westen einfahrende Verkehrsteilnehmer in Richtung Norden verbessert werden muss. Bei einem Ortstermin sollen die Sichtweiten geprüft sowie gegebenenfalls Büsche und Sträucher zurückgeschnitten werden.

B 30/Ravensburger Straße/Dietostraße/Am Seewald: Auffällig ist, dass sich die Unfälle meist in den Abend- und Nachtzeiten ereignen, wenn die Ampelanlage ausgeschaltet ist. Es soll deshalb veranlasst werden, dass die Ampel abends länger, bis ca. 21 Uhr, in Betrieb bleibt. Dadurch soll die Unfallgefahr verringert werden.

Colsmanknoten: Im Rahmen des Verkehrssicherheitsscreenings und anhand einer Vorgabe des Regierungspräsidiums werden Unfallstellen in Zukunft in Relation zur Verkehrsmenge betrachtet. Würde dies bereits am Colsmanknoten angewandt, wäre dort keine Unfallhäufungsstelle mehr vorhanden. Die Anwesenden sind sich einig, dass die Unfälle im Zusammenhang mit der hohen Verkehrsmenge in diesem Knotenpunkt zu betrachten sind. Da der Knotenpunkt im Rahmen der B 31 neu umgebaut werden soll, wird diese Örtlichkeit vorerst weiter beobachtet.

Ailinger Straße/Meistershofener Straße/Goethestraße: An der Kreuzung herrscht allgemein ein hohes Verkehrsaufkommen durch Schule, das Bodenseecenter und durch die in den letzten zwei Jahren hier durchgeleitete Umleitungsstrecke der Keplerstraße. Zwischen den Unfällen bestehen keine eindeutigen Zusammenhänge, jedoch sind die meisten Unfälle mit Radfahrern. Die Ursache der Unfälle ist laut Meinung der Kommission jedoch eher auf das hohe Verkehrsaufkommen als auf die Örtlichkeit selbst zurückzuführen. Die Situation wird weiter beobachtet, um gegebenenfalls Maßnahmen für eine höhere Sicherheit der Verkehrsteilnehmer zu planen und umzusetzen.

Kreisverkehr Meistershofener Straße/Am Riedlewald: 2018 wurden sechs Unfälle verzeichnet, hauptsächlich waren es Unfälle mit Radfahrern. Zur Verbesserung der Situation sollen am Kreisel Haltelinien markiert werden.

Als auffällige Unfallstellen sehen Stadt und Polizei die Auffahrt auf die B 31 in Richtung Lindau/FN Ost. Hier kam es vielfach zu Unfällen im Bereich der Einfädelspur. „Dies ist auf das hohe Verkehrsaufkommen zurückzuführen. In diesem Bereich wurde bereits durch das Straßenbauamt des Landratsamtes Bodenseekreis ein Gutachten für eine Pförtnerampel in Auftrag gegeben. „Derzeit fehlt noch das abschließende Gutachten, mit dem sich das Landratsamt an das Regierungspräsidium wenden wird“, so Hans-Jörg Schraitle.

Stadt, Polizei und Unfallkommission werden die Verkehrssituation in der Zeppelinstadt weiterhin aufmerksam im Auge behalten, versichert Hans-Jörg Schraitle. In dringenden Fällen werde selbstverständlich auch kurzfristig nach einer Lösung gesucht.